Wenn etwas für alles geeignet sein soll, ist es wahrscheinlich für nichts wirklich gut. Ich denke, dieser Gedanke lässt sich auf fast jede Spezialisierung übertragen. Je klarer der eigene Schwerpunkt ist, desto höher sollten Qualität, Erfahrung und Kompetenz in diesem Bereich sein. Wenn Du Dir einige meiner Fotografien ansiehst, wirst Du vermutlich schnell merken, dass ich nicht unbedingt der richtige Fotograf für klassische Hochzeitsreportagen oder Tauffeiern bin. Ein künstlerisches Brautpaarshooting ist dagegen etwas anderes – wenn mich die Idee interessiert und ich mich kreativ darauf einlassen kann, kommt das durchaus infrage.
Welche Bereiche interessieren mich also besonders? Ich versuche, sie hier ein wenig zu ordnen, auch wenn sie sich natürlich häufig überschneiden.
Portraitfotografie
Portraitfotografie
Portraitfotografie bedeutet für mich in erster Linie Fotografie des Menschen – seines Gesichts, seiner Silhouette, seiner Gesten, seines Blicks und seiner Art, sich zu zeigen. Ein Portrait muss sich weder auf ein klassisches Bild des Gesichts noch auf eine bestimmte Art des Bildausschnitts beschränken. Es kann schlicht und natürlich sein, aber ebenso als bewusst gestaltetes Bild entstehen, das auf einer Idee, einem Styling und einer bestimmten Ästhetik basiert.
Je nach Charakter des Shootings kann Portraitfotografie die Form eines klassischen Portraits, eines künstlerischen Portraits, eines Beauty-Portraits oder eines Fashion- beziehungsweise Editorial-Portraits annehmen. Die Aufnahmen können im Studio, draußen, in Innenräumen oder an Orten entstehen, die gezielt für eine bestimmte Bildidee ausgewählt wurden. Ich arbeite sowohl mit natürlichem als auch mit künstlichem Licht und passe es an die Person und den Charakter der Fotografie an.
Ein gutes Portrait bedeutet für mich nicht nur zu zeigen, wie jemand aussieht. Viel interessanter ist es, Persönlichkeit, Emotionen und Atmosphäre sichtbar zu machen oder ein Bild zu schaffen, das Raum für die eigene Interpretation lässt. Manchmal entscheidet ein Blick oder eine kleine Geste über die Wirkung, ein anderes Mal sind es Licht, Farbe, Bewegung, Styling oder die Umgebung. Es gibt nicht die eine richtige Art, einen Menschen zu fotografieren.
Ein Portrait kann subtil, elegant und ruhig sein, aber ebenso roh, expressiv, dunkel, alternativ oder provokant. Während eines Shootings ist für mich auch die Beziehung zu der Person vor der Kamera wichtig, weil sie einen großen Einfluss darauf hat, wie natürlich und authentisch die Bilder wirken. Es geht nicht darum, jemanden mechanisch von Pose zu Pose zu stellen, sondern darum, eine Art der Darstellung zu finden, die sowohl zur Person als auch zum geplanten Charakter des Shootings passt.
Portraitfotografie bietet enorme Freiheit, den realen Menschen mit der eigenen Interpretation des Fotografen zu verbinden. Dadurch kann dieselbe Person auf völlig unterschiedliche Weise dargestellt werden. Am Ende sollte ein gutes Portrait nicht nur zeigen, wer vor der Kamera stand, sondern dafür sorgen, dass man etwas länger hinschauen möchte.
Künstlerische Fotografie geht über die reine Dokumentation einer Person, eines Ortes oder einer Situation hinaus. Entscheidend ist nicht nur, was sich vor der Kamera befindet, sondern ebenso die Idee, die Atmosphäre, die Symbolik und die Art, wie das gesamte Bild aufgebaut wird.
Sie kann inszeniert, experimentell, konzeptionell oder stark stilisiert sein. Manchmal steht die Person im Mittelpunkt, ein anderes Mal ein Requisit, das Licht, Bewegung, Farbe oder die Umgebung selbst. All diese Elemente können zusammenwirken, damit eine Fotografie nicht nur etwas zeigt, sondern eine Stimmung erzeugt, eine Geschichte erzählt oder Raum für eine eigene Interpretation lässt.
Bei dieser Art der Fotografie geht es nicht darum, die Wirklichkeit möglichst exakt wiederzugeben. Wichtiger ist, wie das Bild auf den Betrachter wirkt und welche Emotionen, Assoziationen oder Fragen es hinterlässt.
Akt und Teilakt konzentrieren sich auf den Körper, seine Form und die Atmosphäre des Bildes. Dabei geht es nicht ausschließlich um Nacktheit, sondern darum, wie der Körper mit Licht, Raum, Emotion und Komposition zusammenarbeitet. Solche Fotografien können subtil und zurückhaltend sein, aber ebenso roh, dunkel und direkter wirken. Alles hängt vom Charakter des Shootings und davon ab, was das jeweilige Bild erzählen soll.
Beim Teilakt bleibt mehr Raum für Andeutung. Der Körper ist präsent, muss aber nicht vollständig gezeigt werden – ebenso wichtig können eine Geste, eine Pose, ein Ausschnitt der Silhouette, Stoff oder Licht sein. Diese Form bewegt sich häufig zwischen Portrait und Akt und bietet viel Freiheit beim Aufbau einer bestimmten Stimmung.
Der Akt ist unmittelbarer, muss aber trotzdem nicht wörtlich oder plakativ sein. Ein gut gestalteter Akt reduziert den Körper nicht auf seine bloße Darstellung, sondern behandelt ihn als vollwertiges Ausdrucksmittel. Er kann sinnlich, künstlerisch, dunkel, natürlich oder vollkommen reduziert sein.
Bei dieser Art der Fotografie spielen Vertrauen und das Wohlbefinden der fotografierten Person eine besonders große Rolle. Grenzen sind kein zusätzlicher Bestandteil des Shootings – sie sind seine Grundlage. Genau dadurch kann ein Bild entstehen, das nicht nur ästhetisch, sondern auch ehrlich ist.
Wenn Du den Begriff Bondage bereits kennst, werde ich Dir vermutlich nichts grundlegend Neues erzählen. Falls nicht: Im Kern geht es um Seile, Fesselungen und das bewusste Fixieren des Körpers oder einzelner Körperbereiche.
Bondage ist zugleich eine Form der Fesselkunst. Der Begriff ist sehr weit gefasst und umfasst verschiedene Stile und Techniken. Zu den bekanntesten gehören Kinbaku und Shibari – aber auch hier muss nicht alles einen eigenen Namen besitzen. Bondage kann ebenso mit Lederriemen, Handschellen oder anderen Elementen arbeiten.
Fotografisch interessiert mich dieses Thema sehr. Besonders gerne verbinde ich Bondage mit Portraitfotografie, Fashion oder Akt.
BDSM-Fotografie
BDSM-Fotografie kann als intensivere Erweiterung der Bondage-Fotografie verstanden werden. Sie umfasst zusätzliche Elemente und bewegt sich teilweise bewusst an der Grenze zwischen Intimität und Erotik. Auch dieser Bereich interessiert mich fotografisch.
Ein BDSM- oder Bondage-Shooting unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt allerdings nicht von anderen Fotoshootings: Komfort und Sicherheit haben immer Priorität.
Dominante Personen vor der Kamera
Auch dominante Personen sind für mich fotografisch ein spannendes Thema. Dabei interessiert mich nicht nur eine bestimmte Rolle oder ein offensichtliches BDSM-Klischee, sondern vor allem Präsenz, Körpersprache, Kontrolle und Ausstrahlung. Dominanz kann sehr unterschiedlich wirken: kühl und distanziert, elegant, streng, ruhig, provokant oder bewusst inszeniert. Styling, Kleidung, Accessoires, Haltung, Blick und Licht können diese Wirkung zusätzlich verstärken.
Ein Shooting mit einer dominanten Person muss deshalb nicht automatisch laut oder überzeichnet sein. Oft entsteht die stärkste Wirkung gerade durch Zurückhaltung, klare Gesten und eine sehr bewusste Bildsprache. Mich interessiert besonders, wie sich Autorität und Kontrolle fotografisch sichtbar machen lassen, ohne die Person auf ein einfaches Stereotyp zu reduzieren.