TFP – kreative Zusammenarbeit für ausgewählte Projekte
TFP, also Time For Prints / Time For Photos, ist eine Form der Zusammenarbeit zwischen Fotograf und fotografierter Person, bei der anstelle einer klassischen finanziellen Vergütung beide Seiten ihre Zeit, ihr Engagement und ihre Ideen in ein gemeinsames Projekt einbringen. Ich fotografiere und bearbeite die entstandenen Bilder, während die fotografierte Person am Shooting teilnimmt und das zuvor vereinbarte Bildmaterial zur eigenen Nutzung erhält.
Für mich bedeutet TFP allerdings nicht einfach ein „kostenloses Fotoshooting“.
Ich verstehe TFP als kreative Zusammenarbeit, die vor allem Projekten vorbehalten ist, die einen klaren künstlerischen Charakter besitzen, eine interessante Idee verfolgen oder mir die Möglichkeit geben, etwas zu realisieren, das über ein gewöhnliches kommerzielles Shooting hinausgeht.
Wann realisiere ich TFP-Shootings?
Ich realisiere TFP-Shootings dann, wenn mich ein Projekt wirklich interessiert und ich darin fotografisches Potenzial sehe. Dabei kann es sich um eine konkrete Idee von mir handeln oder um ein gemeinsames Konzept, das ich zusammen mit der Person entwickle, die an dem Shooting teilnehmen möchte. Wichtig ist mir vor allem, dass die Zusammenarbeit eine klare Richtung besitzt. Das bedeutet nicht, dass bereits vor dem Shooting ein vollständiges Drehbuch existieren muss, aber wir sollten ungefähr wissen, welchen Charakter die Bilder haben sollen, welche Atmosphäre uns interessiert und warum gerade dieses Projekt spannend genug ist, um es umzusetzen.
Besonders interessieren mich Projekte, die:
- künstlerisch sind,
- konzeptionell arbeiten,
- experimentell angelegt sind,
- stark stilisiert sind,
- analog fotografiert werden,
- ungewöhnliche Orte, Licht oder Szenografie nutzen,
- sich mit Portrait, Akt oder Teilakt beschäftigen,
- sich im Grenzbereich zwischen Fotografie, Performance, Mode und Kunst bewegen.
Ich beschränke mich allerdings nicht ausschließlich auf diese Kategorien. Wenn eine Idee gut ist, visuell interessant erscheint und die Möglichkeit bietet, etwas Eigenständiges zu schaffen, lohnt es sich immer, darüber zu sprechen.
Für wen eignet sich eine TFP-Zusammenarbeit?
TFP kann sowohl für Menschen interessant sein, die bereits Erfahrung vor der Kamera besitzen, als auch für Personen, die gerade erst anfangen.
Ich erwarte weder ein professionelles Portfolio noch jahrelange Modelerfahrung.
Wesentlich wichtiger sind für mich:
- Engagement,
- gute Kommunikation,
- Offenheit für Zusammenarbeit,
- echtes Interesse am Projekt,
- Pünktlichkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit vereinbarten Terminen,
- die Bereitschaft, gemeinsam nach dem bestmöglichen Ergebnis zu suchen.
Manchmal hängt die Entscheidung für ein Projekt auch davon ab, ob eine bestimmte Person zur jeweiligen Idee passt – etwa durch Ausstrahlung, Persönlichkeit, Erfahrung, Ausdruck oder die Art, sich vor der Kamera zu bewegen. Das bedeutet nicht, dass ich bewerte, ob jemand „fotogen“ ist. Nicht jede Idee passt zu jeder Person – genauso wie nicht jeder Ort, jedes Styling oder jedes Licht für jedes Projekt geeignet ist.
Bedeutet TFP ein kostenloses Fotoshooting?
Bei einem TFP-Shooting findet grundsätzlich keine klassische finanzielle Vergütung zwischen Fotograf und fotografierter Person statt.
Ich betrachte TFP jedoch nicht als kostenlose Variante eines kommerziellen Shootings. Bei einem normalen Auftrag bestellt der Kunde eine bestimmte fotografische Leistung, und seine Anforderungen bilden die Grundlage des Projekts. Bei TFP arbeiten beide Seiten dagegen gemeinsam an einem kreativen Projekt, dessen Ergebnis sowohl für die fotografierte Person als auch für mich als Fotograf einen Wert haben soll.
Deshalb eignet sich nicht jede Anfrage automatisch für TFP. Wer beispielsweise konkrete Bilder für einen Lebenslauf, eine Website, ein berufliches Profil, ein Unternehmen oder einfach eine genau nach eigenen Vorstellungen geplante Fotoserie benötigt, ist mit einem regulären kommerziellen Shooting meistens besser beraten. TFP funktioniert dann am besten, wenn beide Seiten dasselbe Projekt verwirklichen möchten.
Wie bereiten wir ein TFP-Shooting vor?
Vor dem Shooting legen wir gemeinsam die grundlegende Richtung des Projekts fest.
Wir können unter anderem über folgende Punkte sprechen:
- den Charakter der Bilder,
- die Location,
- das Styling,
- den Umfang und die Art des Posings,
- visuelle Inspirationen,
- Requisiten,
- Make-up oder Charakterisierung,
- die geplante Nutzung der Fotografien,
- Fragen rund um die Veröffentlichung.
Je nach Projekt kann die Vorbereitung aus einem kurzen Gespräch und einigen Referenzbildern bestehen oder ein deutlich umfangreicheres Konzept umfassen. Ich bin kein Freund davon, bestehende Fotografien eins zu eins nachzustellen. Referenzen dienen mir dazu, eine Richtung, Stimmung oder Ästhetik zu definieren. Das endgültige Bild sollte während unserer eigenen Zusammenarbeit entstehen.
Wie läuft das eigentliche Shooting ab?
Während des Shootings arbeiten wir gemeinsam am Bild. Ich gehe nicht davon aus, dass eine Person vor der Kamera automatisch wissen muss, wie sie ihren Körper positioniert, wohin sie schauen oder was sie mit ihren Händen machen soll. Wenn Unterstützung notwendig ist, helfe ich beim Posing, bei Bewegungen und beim Ausdruck. Gleichzeitig lasse ich bewusst Raum für Spontaneität. Sehr oft entstehen die interessantesten Fotografien zwischen den geplanten Aufnahmen – wenn jemand aufhört, bewusst zu „posieren“, eine unerwartete Bewegung entsteht, sich ein kleiner Gestus verändert oder plötzlich das Licht anders fällt. Gerade bei künstlerischen Projekten interessiert mich diese Verbindung aus Kontrolle und Zufall.
Analoge Fotografie bei TFP-Shootings
Einige meiner TFP-Projekte realisiere ich auch auf analogem Film – im Kleinbild-, Mittel- oder Großformat. Ein analoges Shooting funktioniert allerdings anders als eine ausschließlich digitale Produktion. Die Anzahl der Aufnahmen ist geringer, jede einzelne Belichtung verlangt mehr Aufmerksamkeit und das Material steht nicht unmittelbar nach dem Shooting zur Verfügung. Der Film muss zunächst entwickelt und anschließend gescannt oder für klassische fotografische Abzüge verwendet werden. Bei Schwarzweißfotografie übernehme ich einen Teil dieses Prozesses selbst, einschließlich der Arbeit in meiner eigenen Dunkelkammer.
Deshalb kann die Bearbeitungszeit bei analogen Projekten länger ausfallen als bei rein digitalen Shootings.
Wie viele Bilder erhalte ich aus einem TFP-Shooting?
Nach dem Shooting treffe ich eine Auswahl aus dem entstandenen Material und entscheide mich für die Fotografien, die das Projekt am besten repräsentieren. Ich gebe weder sämtliche aufgenommenen Bilder noch unbearbeitete Rohdateien direkt aus der Kamera weiter. Die ausgewählten Fotografien werden von mir ausgearbeitet und erst anschließend an die am Shooting beteiligte Person übergeben. Die genaue Anzahl der fertigen Bilder hängt unter anderem von der Art des Projekts, der Dauer des Shootings, der verwendeten Technik und dem entstandenen Material ab. Bei künstlerischer Fotografie sind mir wenige starke und vollständig ausgearbeitete Bilder wichtiger als eine große Menge ähnlicher Aufnahmen.
Wie lange dauert die Bearbeitung?
Die reguläre Bearbeitungszeit für ein TFP-Shooting beträgt normalerweise bis zu zwei Wochen. Bei umfangreicheren Projekten oder analoger Fotografie kann die Fertigstellung länger dauern. Analoger Film muss zunächst entwickelt, getrocknet und anschließend gescannt oder für die weitere Arbeit vorbereitet werden. Dieser Prozess benötigt schlicht Zeit und ich versuche nicht, ihn künstlich zu beschleunigen.
Werden Bilder aus TFP-Shootings veröffentlicht?
Die Veröffentlichung der Fotografien wird im Vorfeld besprochen, ist für mich jedoch in der Regel ein wesentlicher Bestandteil einer TFP-Zusammenarbeit. Die entstandenen Bilder in meinem Portfolio und im Rahmen meiner eigenen Arbeit zeigen zu können, ist schließlich auch mein Gegenwert für die investierte Zeit und Arbeit. Eine Zusammenarbeit, bei der die Fotografien grundsätzlich nicht veröffentlicht werden dürfen oder vollständig exklusiv bleiben müssen, widerspricht deshalb in der Regel dem Grundgedanken von TFP.
Gleichzeitig sind mir der Komfort und die Privatsphäre der fotografierten Person wichtig. Besonders relevant ist das bei intimer Fotografie, Akt, Teilakt, BDSM-Projekten oder anderen Arbeiten, bei denen ein sensibler Umgang mit der Veröffentlichung notwendig sein kann. Umfang der Veröffentlichung, mögliche Anonymität und die Art der Nutzung sollten deshalb für beide Seiten klar sein, bevor Fotografien öffentlich gezeigt werden.
Ich gehe nicht automatisch davon aus, dass jede während eines Shootings entstandene Fotografie veröffentlicht werden muss.
Die Privatsphäre der fotografierten Person ist für mich ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit. Je nach Projekt können Fotografien so gestaltet werden, dass die Person teilweise oder vollständig anonym bleibt. Das kann beispielsweise durch die Wahl des Bildausschnitts, den Einsatz von Licht und Schatten, die Pose, das Verdecken des Gesichts oder den grundsätzlichen Charakter des Projekts erreicht werden. Wenn Dir Anonymität wichtig ist, solltest Du das am besten bereits beim ersten Gespräch erwähnen.
Nehme ich jede TFP-Anfrage an?
Nein. TFP ist für mich eine selektive Form der Zusammenarbeit. Das hat nichts mit künstlicher Exklusivität zu tun, sondern mit einer einfachen Tatsache: Ein gutes Projekt benötigt Zeit. Es muss vorbereitet werden, das Shooting selbst muss stattfinden, anschließend folgen Auswahl und Bearbeitung – und bei analoger Fotografie zusätzlich Filmentwicklung und weitere Verarbeitung. Deshalb entscheide ich mich für Projekte, die mich tatsächlich interessieren, mein Portfolio sinnvoll erweitern oder mir die Möglichkeit geben, etwas Neues auszuprobieren.
Hast Du eine eigene Idee für ein TFP-Shooting?
Du kannst Dich selbstverständlich auch mit einer eigenen Idee bei mir melden. Sie muss nicht vollständig ausgearbeitet sein. Vielleicht gibt es eine Fotografie, die Dich inspiriert hat, einen besonderen Ort, ein ungewöhnliches Styling oder Requisit, eine Geschichte, ein bestimmtes Gefühl oder einfach eine sehr lose Vorstellung. Wenn ich darin Potenzial sehe, können wir daraus gemeinsam ein vollständiges Projekt entwickeln.
Besonders interessieren mich Vorschläge von Menschen, die Teil des kreativen Prozesses sein möchten und nicht lediglich eine kostenlose fotografische Dienstleistung erwarten. TFP funktioniert am besten, wenn beide Seiten etwas Eigenes einbringen. Wenn Du Dir Zusammenarbeit genau so vorstellst, freue ich mich auf Deine Nachricht.