Wrocław. Ich ging im Grabiszynski-Park spazieren und sah Anna.
Imago Mortis - dachte ich.
Paweł Masnyk - dachte Imago Mortis.
Und in Wirklichkeit war es ganz anders.
Mit Anna kennen wir uns schon seit langem. Ich weiß gar nicht mehr genau wie lange. Aber ich denke, es wäre nicht gelogen, wenn ich sage, dass wir uns schon seit Jahren gegenseitig inspirieren. Das Fotoshooting war eine Selbstverständlichkeit, eine Frage der Zeit und nicht eine Frage des 'ob'.
Es gab jedoch eine Art seltsamen Fluch, der auf ihrem schönen, äußerst fotogenen Bild lastete. Ich erinnere mich, dass wir zweimal von der Hitze überwältigt wurden. Breslau kann, obwohl es so weit vom Äquator entfernt liegt, mit wirklich südlichen Temperaturen überraschen. Erst beim dritten Mal haben wir unsere Lektion gelernt und uns für einen warmen Sommerabend entschieden.
Die Zeit war knapp bemessen. Der Grabiszyn-Park in Wrocław bot jedoch die perfekten Bedingungen - Schatten, in dem wir Schutz fanden, sanftes Licht und einen Raum, der die Konzentration förderte. Anna führte mich durch die Gassen und erzählte mir von diesem Ort. Es war ein seltsames und schönes Gefühl, denn ein paar Jahre zuvor hatte ich direkt nebenan gewohnt und nie die Gelegenheit gehabt, wirklich durch diesen Park zu gehen. Erst nachdem ich Wrocław verlassen hatte, bereits als Besucherin, konnte ich ihn kennenlernen und... mich wieder neu in ihn verlieben.
Diese Session war für mich die Essenz dessen, was Porträtfotografie in Wroclaw ist - nicht nur ein Bild eines Gesichts, sondern eine Begegnung, ein Gespräch und ein in der Zeit festgehaltener Moment. Die Bilder wurden mit einer Nikon D750 und einem Petzval Objektiv aufgenommen, das den Bildern Weichheit, Unvollkommenheit und eine gewisse malerische Nervosität verleiht, die perfekt zur Atmosphäre der Geschichte passt.
Imago Mortis war also nicht nur ein Titel. Vielmehr war es eine Stimmung, ein Schatten, der irgendwo zwischen dem Licht, den Blättern und der Stille des Parks schwebte. Und Anna konnte ihm - wie immer - ein Gesicht geben.
Sie bat mich, niemandem davon zu erzählen. Also werde ich natürlich auch nicht verraten, dass sie Angst vor Spinnen hat.